Abeitsmodus durch neuronale Verknüpfungen

Falls du wie ich auch mal Schüler warst (was ich doch sehr hoffe), wirst du dieses Phänomen kennen: Du setzt dich hin, schlägst eines deiner Blockbuster-Titel wie beispielsweise dein Mathebuch auf und bist bereit, dir die volle Dröhnung an Unterhaltungskunst in Form partieller Ableitungen zu geben. In der Regel hält das nicht allzu lange an. Selbst wenn du dich in einem leeren Raum befinden würdest, wäre das Haar, das an deiner rechten Backe klebt, spannender als die Matheaufgaben. Da sich der Kram nun nicht von alleine erledigt, musst du dein Gehirn irgendwie auf Arbeitsmodus einstellen. Das funktioniert unter anderem mithilfe neuronaler Verknüpfungen.

Neuro-was?

Unser Hirn wächst, indem es im Laufe der Zeit immer mehr Verknüpfungen herstellt um die Welt nach und nach zu durchblicken. Lernen wir etwas neues (was übrigens jeden Tag automatisch passiert) bildet das Gehirn Verknüpfungen mit bereits bekannten Sachverhalten. So weit, so gut.
Das ist erst einmal der Lernprozess in extrem vereinfachter Form. Das besondere ist, dass das Gehirn „zusammenpassende“ Dinge tatsächlich so miteinander verbindet, dass sie unterbewusst mehr oder weniger untrennbar voneinander sind. Und genau diesen Tatbestand können wir uns so zunutze machen, dass wir nahezu jeden Lebensbereich automatisieren und zu einer richtigen Arbeitsmaschine werden können, sofern wir das wollen. Wie muss man also vorgehen?

Eine Routine wird geboren

Ich denke wir alle haben verschiedene Rituale, über die wir uns oftmals gar nicht bewusst sind. Sei es, morgens zu aller erst eine Tasse Kaffee zu trinken oder nach dem Mittagessen ein Stück Schokolade zu verdrücken. Wie sind solche Routinen entstanden? Ganz einfach: Indem wir es regelmäßig so getan haben. Wissenschaftler sind sich nicht ganz einig darüber, wie lange es dauert, solche Routinen zu formen. Je nach Art kann es etwa zwischen 1 und 3 Monaten dauern, wenn wir es wirklich jeden Tag in derselben Weise machen, kann es auch schneller gehen. Nun ist das Stück Schokolade zum Nachtisch nicht unbedingt das beste Ritual, das man sich aussuchen kann. Doch ebenso lassen sich auch hilfreiche Routinen formen, auch wenn es zu Beginn möglicherweise nicht ganz so einfach ist.
Nehmen wir das Beispiel des Lernens: Du nimmst dir vor, ab jetzt jeden Tag ein bisschen Mathe zu lernen. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass dir das eher weniger Spaß bereitet als dich auf die Couch zu setzen und Netflix aufzurufen. Zuerst solltest du dir ein genaues Ziel klarmachen, wie lange du lernen willst, zu welcher Tageszeit und so weiter. Sagen wir, du möchtest direkt nach dem Aufstehen, wenn der Kopf noch frisch ist, eine halbe Stunde lernen. Dann beginne anfangs mit 10 Minuten, das macht die Umstellung nicht ganz so schmerzhaft und die Wahrscheinlichkeit, dass du nach kurzer Zeit wieder aufgibst, wird reduziert. Nach einigen Tagen erhöhst du auf 15 Minuten. Du wirst die Erhöhung möglicherweise gar nicht bemerken. Was sind schon 5 Minuten? Und so erhöhst du schrittweise auf 30 Minuten und zwar immer zur gleichen Zeit, nämlich direkt morgens. Hier kommen dann auch neuronale Verknüpfungen ins Spiel.

Verknüpfungen schaffen

Aufgrund der Tatsache, dass du immer kurz nach dem Aufstehen anfängst zu lernen, bildet dein Gehirn eine Verknüpfung zwischen Morgen und Lernen. Es wird diesen Prozess automatisch ausführen, da diese beiden Sachverhalte irgendwann fest miteinander gekoppelt sind. Der Morgen wirkt quasi als Trigger für den Lernmodus. Es gibt übrigens auch noch andere Möglichkeiten für neuronale Verknüpfungen.
Eine häufig genutzte Variante ist das Einführen einer „Lernlampe“. Dabei handelt es sich um eine gewöhnliche Schreibtischlampe, die du nur dann anmachst (und zwar immer dann), wenn du lernst. Dein Gehirn gewöhnt sich an diese Kombination und du wirst dich deutlich besser auf die eigentliche Aufgabe konzentrieren können, weil dir dein Unterbewusstsein sagt: „Das Licht ist an, also ist jetzt Lernen angesagt.“
Ich habe auch etwas ähnliches, den Kreativitäts- und Entspannungsstuhl. Das ist ein Stuhl, auf den ich mich dann setze, wenn ich entweder meditiere oder wenn ich etwas kreatives mache, beispielsweise Musik komponieren. Und siehe da, sobald ich mich auf diesen Stuhl setze, bin ich fast schon automatisch entspannt und meine Ideen fangen an zu fließen.
Ein Tipp, den ich aus Shawn Stevensons Buch „Sleep Smarter“ gelernt habe, möchte ich auch noch gerne teilen: Erstelle eine neuronale Verknüpfung zwischen deinem Bett und Schlafen. Nimm niemals Arbeit mit ins Bett, lies dort nicht und schaue dort auch kein Fernsehen. Nutze es wirklich ausschließlich zum Schlafen, denn so hast du eine effektive Möglichkeit zur Bekämpfung von Schlafproblemen. Tust du das nicht, werden dir im Bett allerlei Gedanken kommen, was das Einschlafen enorm erschwert. Dieser Trick hilft dir, dich sofort zu entspannen.

Hast du also das nächste Mal vor, eine neue Routine in dein Leben zu bringen, schaffe dir möglichst konsequent neuronale Verknüpfungen um die jeweilige Tätigkeit irgendwann automatisch durchzuführen. Sich ständig zu disziplinieren erfordert viel zu viel Energie und der Misserfolg ist fast schon garantiert. Gut, wenn man es auf diese Weise irgendwann einfach macht, ohne großartig darüber nachzudenken.

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